Ahhh, Bratwürstchen!

„Mathilde, hast Du unseren kleinen Liebling heute eigentlich schon zu Gesicht bekommen? Ich möchte nur wissen, wo sich mein Stromer wieder herumtreibt! Seit drei Tagen habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ob er wieder auf Freiersfüßen unterwegs ist? Aber so lange war er doch noch nie verschwunden! Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen! Wenn ich sehe, wie rücksichtslos die Autofahrer heutzutage durch die Wohngebiete preschen, ohne Rücksicht auf Verluste. Als wenn sie eine Abschussprämie bekämen, schlimm ist das. Die halten doch nicht wegen eines kleinen Hundes an, es sei denn, sie befürchteten, eine Beule in ihren Wagen zu bekommen!

Ich weiß ja, wenn es nur nach Dir ginge, könnte er verschwunden bleiben! Was bist Du doch für ein herzloser Mensch, dass du unseren kleinen Strolch nicht ein bisschen vermisst! Ich gebe ja zu, dass er Deinen blitzblanken Haushalt ein wenig durcheinander bringt. Aber von einem Hund kann man doch schließlich nicht erwarten, dass er sich die Füße abtritt oder badet, bevor er Dein vor Sauberkeit funkelndes Haus aufsucht. Du bist viel zu ungeduldig, ständig schimpfst Du mit dem armen Kerl herum. Kein Wunder, dass er sich dann mal erschreckt und zuschnappt! Hat er doch nicht absichtlich getan, das war eine instinktive Reaktion! Nur weil er mal ein wenig an Deiner neuen Gardine geknabbert hat, machst Du so ein Theater! Das kann man doch alles ersetzen! Aber die Freude und die Lebendigkeit, die so ein Tier uns Menschen schenkt, ist doch durch nichts zu bezahlen! Da kann keine Langeweile und Traurigkeit aufkommen!

Na ja, und so oft ist es schließlich auch nicht passiert, dass er sich auf deinem Teppich vergessen hat!? Inzwischen ist er älter geworden und erledigt diese Sachen eigentlich immer nur außerhalb der eigenen vier Wände. Aber Dir kann er es ja nie recht machen: Wenn er brav sein Geschäft draußen vor der Tür erledigt, schimpfst Du ihn aus, er würde Dir sämtliche Blumenstauden zugrunde richten! Wie soll der arme Kerl denn ahnen, was er nun schon wieder falsch gemacht hat?

Ein wenig mehr Verständnis für meinen kleinen Liebling könntest Du ruhig aufbringen, das wäre doch nicht zuviel verlangt, oder?!

Aber ich will Dir nicht nur Vorwürfe machen, wahrscheinlich meinst Du es im Grunde Deines Herzens ja gut. Denn obgleich Du keine Bratwürste magst, hast Du heute wieder liebevoll an mich gedacht. Sag mal, eine so vorzüglich gewürzte und wohlschmeckende Wurst habe ich ja noch nie auf den Teller bekommen! Hast Du einen neuen Schlachter aufgetan, oder hat der vom Supermarkt ein neues Rezept ausprobiert?  Schade, dass unser Caesar nicht da ist. Du weißt doch, Bratwürstchen sind sein Leib- und Magengericht, dafür lässt er sein leckerstes Schappi-Fressen unbesehen stehen.

Und nun mach endlich wieder ein freundliches Gesicht: Wenn unser Kleiner hier wäre, was glaubst Du, wie freudig er Dir „Danke!“ gebellt hätte!“.

  

27.12.2006