Suche ich meines Lebens Sinn


Suche ich meines Lebens Sinn,

mein' ich die Frucht, die ausgereift,

im süßen Fleisch sich schon begreift

als eines neuen Lebens Samen.

 

Stirbt einst in der Erinnerung der Namen,

stirbt die Geschichte, verblasst das Gesicht,

verliert sich doch die Liebe nicht,

und alle Freude, die wir einst verschenkt,

ist tief in anderer Herzen eingesenkt,

schlägt Wurzeln dort und trägt hernach auch Frucht.

 

Und alle Wunden, die wir unbedacht,

in Wut und Zorn dem anderen beigebracht,

das eine Wort, das wir nie eingelöst,

die Schwäche, zugedeckt voll Scham, die wir entblößt,

das Leben, das wir rücksichtslos und voller Hast gelebt,

die Ziele, denen wir in all den Jahren nachgestrebt,

all dies hat seine Wirkung längst getan,

und ändern kann ich wenig nur daran.

 

So bleibt etwas von uns, das überlebt,

wenn längst der Wind den Staub hinweg gefegt

und keiner mehr nach unseren Zeichen sucht,

uns keiner mehr vermisst, noch voller Zorn verflucht.

 

06.10.1995